Pressemitteilung vom 12. Mai 2016

  1. Mai 2016 Pressemitteilung Nr. 13

Der „Verein zum Erhalt der Hummelsbütteler Feldmark“ lehnt den Kompromissvorschlag von SPD und Grünen ab.

Am Mittwoch den 11. Mai 2016 fand eine außerordentliche Mitgliederversammlung des „Vereins zum Erhalt der Hummelsbütteler Feldmark“ statt. Der Vorstand des Vereins berichtete über den Stand der Baupläne des Senates und über die Gespräche mit der Hamburger Politik. Eingehend wurde das Kompromissangebot von SPD und Grünen zu der Bebauung der Hummelsbütteler Feldmark erläutert ( http://feldmark.info/2016/04/28/pressemitteilung-vom-20-april-2016/).

 

Nach Beratung und klarem Votum der Mitglieder des Vereins bezieht der Vorstand wie folgt Stellung:

Eine Bebauung von Teilen der Hummelsbütteler Feldmark und somit eine Schädigung einer der wichtigsten Hamburger Kaltluftentstehungsgebiete und Frischluftachsen für die Hansestadt wird abgelehnt. Der Verein schließt sich damit der deutlichen Position von den Naturschutzverbänden BUND, Nabu und der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Hamburg an. Gegen alle Kriterien einer nachhaltigen Stadtentwicklung wird versucht das Ziel der „wachsenden Stadt“ vom Senat durchzusetzen. Die Not der Flüchtlinge dient dabei, wie schon im Herbst 2015 vermutet, als Instrument, dieses Ziel ohne großen Planungs- und Verwaltungsaufwand zu erreichen. Aus den Augen verloren wurde dabei sowohl, wie eine schnelle und integrative Lösung der Flüchtlingsunterbringung erreicht werden kann, als auch die Erstellung eines zukunftsweisenden Stadtentwicklungskonzeptes. Zur Lösung der teilweise nach wie vor angespannten Wohnungssituation der Flüchtlinge schlägt der „Verein zum Erhalt der Hummelsbütteler Feldmark“ daher eine Öffnung des regulären Wohnungsmarktes für Flüchtlinge mit Bleibeperspektive vor. Nur so ist ein Ankommen in der Hamburger Gesellschaft und eine Integration möglich. Für die Erhöhung des Wohnungsbestandes in Hamburg und damit eine Abmilderung der Mietpreissteigerungen, ist ein weitsichtiges Konzept zu fordern, welches auf die Kernpunkte der Wahlversprechen und der Koalitionsverträge zurückgreift. Um die versprochene Stärkung des Wohnungsbaus durch Innenverdichtung zu erreichen, müssen die Ressourcen der Nachverdichtung gesichtet werden und in einem Masterplan erarbeitet werden. Starke Säulen hierfür müssen Bebauungen von bereits versiegelten Brachflächen, Erhöhung der Geschosszahl in Stadtnahen Bereichen, Umwandlung leer stehender Büroflächen in Wohnungen und ein Umdenken in der Flächennutzung sein. Wie auch schon vom BUND gefordert, sollten eingeschossige Büro- und Supermarktgebäude der Vergangenheit angehören. Auf diesen bereits versiegelten Flächen besteht großes Wohnungsbaupotential, nichts spricht gegen Supermärkte im Erdgeschoss mit darüber liegenden Wohnungen. Alle verfügbaren und ökologisch unbedenklichen Flächen in Hamburg sind zu sichten und nach ihrer Wertigkeit und ihrem Bebauungspotential zu beurteilen. Des Weiteren ist die Metropolregion Hamburg und die Vernetzung der Stadt mit den Nachbarstaaten zu fördern und eine Abstimmung zu verbessern, um ein Stadtentwicklungskonzept über die Grenzen Hamburgs hinaus zu entwickeln. Im Zuge der Erarbeitung  vorausschauender Konzepte, ist auch zu prüfen, in wie weit und bis wohin die „wachsende Stadt“ ein Kernziel sein muss und von der Hamburger Bevölkerung getragen und gewünscht wird.

Keinesfalls darf ein Erhalt der Lebensqualität und der grünen Ressourcen der Stadt diesem Ziel untergeordnet werden. Hamburg ist eine grüne Stadt und aus diesem Grund entsprechend beliebt. Das auf Fritz Schumacher zurückgehende Konzept der Landschaftsachsen in der Stadt darf nicht weiter geschädigt werden, im Gegenteil, in Abstimmung mit Schleswig Holstein und Niedersachsen sind diese Achsen auch außerhalb der Stadt weiter zu führen, um in Zeiten des Klimawandels für Luftaustausch in Hamburg zu sorgen.

Die Unumgänglichkeit einer Bebauung der Feldmark ist weder von der Politik belegt, noch ist sie notwendig. Aus gutem Grund sind diese Flächen seit Jahrzehnten nicht für eine Bebauung in Betracht gekommen. Massive Bautätigkeit im Schnellschussverfahren aus politischen und bauwirtschaftlichen Gründen und hektischer Aktionismus werden wertvolle Ressourcen dieser Stadt unwiederbringlich vernichten. Davon ist abzusehen.

Ein von der Politik gewünschtes Gutachten für die Suche nach weiteren Baugebieten in der Feldmark ist ebenfalls gänzlich ab zu lehnen. Die Hummelsbütteler Achse ist, wie auch im Koalitionsvertrag SPD/ Grüne 2015-2020 festgehalten, keine Wohnbaufläche und somit auch nicht für den Wohnungsbau zu prüfen. Diese Tatsache und die Wichtigkeit der Feldmark für die Stadt ist bereits in diversen Gutachten belegt worden und zuletzt im Klimaplan des Senats, für den Zeitraum bis 2050, am 8. Dezember 2015 bestätigt worden. Die Forderung der SPD und der Grünen nach einem erneuten Gutachten ist nicht nachvollziehbar.

 

Nachdem die Wichtigkeit der Feldmark durch die Aufgabe der Baufläche am Wilden Moor von den Politikern des Bezirks Wandsbek und von Bürgerschaftsabgeordneten erkannt und bestätigt wurde, ist gleiches auch für die Fläche Am Rehagen zu fordern und vom Senat zu bestätigen. Weder Expressbauten für Flüchtlinge, noch regulärer Wohnungsbau kann und darf in der Hummelsbütteler Feldmark stattfinden. Die Holsteiner Knicklandschaft und somit eine der letzten gewachsenen Kulturlandschaften Hamburgs ist zu erhalten.

 

Nach erheblichem Protest aus der Bevölkerung und von den Umweltverbänden findet nun ein erstes Umdenken bei Politikern statt. So wird endlich, besonders von Seiten der Grünen über die Konzeptionierung von Dachbödenausbauten, Geschosszahlerhöhung an Hauptstraßen und alternativer Innenverdichtung gesprochen. Die Politiker sind auf diesem Weg zu stärken und zu unterstützen.