Pressemitteilung vom 12. Juli 2016

PM Nichtunterzeichnung Bürgervertrag / Teileinigung mit dem Senat im Rahmen der Volksinitiative „Hamburg für gute Integration“

Der Verein zum“ Erhalt der Hummelsbütteler Feldmark“ konnte in der Diskussion um geplante Flüchtlingsunterkünfte bis heute leider keine sinnvolle und dem Vereinszweck entsprechende Einigung mit der Hamburger Regierung aushandeln, aus diesem Grund konnte kein Bürgervertrag unterschrieben werden.
Wie es schon von Fritz Schumacher geplant und im Jahr 2015 durch den Koalitionsvertrag zwischen der SPD und der Grünen bestätigt, geht die Vereinssatzung von der Nichtbebauung des Landschaftsschutzgebietes „Hummelsbütteler Feldmark“ aus.

Seit Ende Mai verhandelten die Vertrauenspersonen der Volksinitiative mehrmals wöchentlich zusammen mit Vertretern unseres Vereins im Rathaus mit den Fraktionsvorsitzenden der Regierungsparteien, Dr. Andreas Dressel (SPD) und Dr. Anjes Tjarks (GRÜNE), sowie Fachsprechern und Behördenvertretern. Unterstützt wurde unser Verein von Vertretern von BUND und NaBu, sowie der Architektenkammer. Dabei wurden dem Senat viele fachliche und konstruktive Möglichkeiten aufgezeigt, wie Wohnkapazitäten sowohl für die Flüchtlingsunterbringung, als auch im regulären Wohnbau ohne Schädigung der Feldmark und mit der vollen Unterstützung unseres Vereines umzusetzen sind.
Wir haben aus der Notsituation heraus auch eine temporäre Bebauung der Feldmark vorgeschlagen. Dieser Lösungsansatz wurde vom Senat abgelehnt.
Es zeigte sich, dass jegliche Bemühungen von unserer Seite her, die geplanten Wohn- und Flüchtlingsbauten auf andere, weniger schädigende Standorte – auch innerhalb von Hummelsbüttel-  zu verlagern, vom Senat kategorisch ausgeschlossen wurden und höchstens als „Additiv-Flächen“ in den Wohnungsbau (im Zshg. mit dem „10.000-Wohnungen-Programm“ von Olaf Scholz) einfließen sollten.

Zu Beginn wurden in mehreren öffentlichen Planungsdiskussionen zwei Standorte in dem Landschafsschutzgebiet, der Klimaachse Hummelsbütteler Feldmark zur Bebauung vorgestellt: An der Straße Wildes Moor und am Rehagen. Hier sollten jeweils 300 bzw. 400 Wohnungen im Expressbauverfahren für Flüchtlinge gebaut werden. Das hätte bedeutet, dass je nach Belegung zwischen 1500 und 2000 Personen dort eine Unterkunft gefunden hätten. Ferner sollten zusätzlich weitere 300 Wohnungen im regulären Wohnungsbau entstehen. Aufgrund des abgeebbten Flüchtlingszustroms musste Hamburg mittlerweile die stark überdimensionierten Planungen reduzieren, so daß zunächst das Flurstück 21 („Wildes Moor“) für Expressbauten nicht mehr verfolgt wurde. Die Bauplanung am Rehagen bleibt dagegen weiterhin im wesentlichen Umfang bestehen, es werden nunmehr jedoch bereits die Hälfte der 378 Wohnungen als regulärer Wohnbau umgesetzt.
Zudem plant der Senat zusätzlich ein Gutachten erstellen zu lassen, um weitere Plätze innerhalb der Feldmark für den Wohnungsbau zu identifizieren. Die jetzt vom Senat weiterhin vorgesehene Bebauung am Rehagen wird in Anordnung und Größe die Funktion der Feldmark als Klimaachse mit der Verbindung zu den Mooren, als Schutzraum für Pflanzen und Tiere und nicht zuletzt als wichtigen Raum für die Landwirtschaft nachhaltig für die nächsten Generationen zerstören.
Unter diesem Damoklesschwert der „Mehrfachbebauung“ in der Feldmark war es dem Verein nicht möglich, einen Bürgervertrag zu unterzeichnen.

Andere Orte innerhalb Hummelsbüttels bieten sich für den regulären Wohnungsbau an. Der Senat bleibt aber unverändert bei seinen Bebauungsplänen in der Feldmark um in dieser Situation Tabuflächen für den regulären Wohnungsbau requirieren zu können.

Nabu, BUND sowie die Hamburger Architektenkammer sprechen sich ebenfalls klar gegen den Standort Rehagen als Bauland aus. Gutachten, wie das durch die Bürgerschaft in Auftrag gegebene „Klimawandelszenario 2012“ bestätigen bei Nichtbeachtung die nachhaltigen Schädigungen der vielfältigen Funktionen der Feldmark. In Anbetracht zunehmender Extremwetterlagen dürfen die warnenden Stimmen der Naturschutzverbände und Gutachter auf keinen Fall ignoriert werden, insbesondere die wichtige Funktion der Klimaachse zur Stadtkühlung ist unbestritten. Pikanterweise sprach sich die Bezirksversammlung Wandsbek zeitgleich für die Bebauung und damit der Vernichtung der Klimaachse Hummelsbüttels aus, als Teile Bramfelds von einem Tornado verwüstet wurden. 

Der Verein zur Erhaltung der Hummelsbütteler Feldmark bedauert die Entscheidung des Senats, keine anderen Flächen in Hummelsbüttel auszuwählen und wird auf Grund der geplanten Zerstörung von Teilen der Feldmark keinen diesbezüglichen Bürgervertrag unterzeichnen.

Wir als Verein zum „Erhalt der Hummelsbütteler Feldmark“ fühlen uns der Natur, unseren Mitgliedern und allen Hamburgern weiterhin verpflichtet, diesen einmaligen Natur-Schatz zu erhalten und zu pflegen und werden dieses auch in Zukunft tun.