Pressemitteilung vom 15. Januar 2018

15. Januar 2018 – Pressemitteilung 18

Auch nach dem Ende der „Flüchtlingskrise“ hält der Bezirk Wandsbek an der Bebauung der Hummelsbütteler Feldmark fest. Am 20. Dezember 2017 endete die Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens.

 

Die Vernichtung der Natur zugunsten von allgemeinem Wohnungsbau lehnen wir als Verein weiterhin ab. Wir fordern, das Planverfahren unverzüglich und vollständig einzustellen. Dieses gilt insbesondere für den östlichen Bereich des Plangebiets ab der Erschließungsstraße, in dem die bauliche Umsetzung noch nicht begonnen hat – und zwar unverzüglich. Wenn Hamburg wachsen soll, dann bitte außerhalb der Grünflächen. Diese Forderung steht im völligen Einklang mit dem vom Hamburger Senat herausgegebenen Klimaplan und dem Koalitionsvertrag von 2015. Beides wird weitgehend ignoriert.

„Im September 2015 wurden die Weichen für die Umwelt- und Entwicklungspolitik der kommenden Jahrzehnte neu gestellt. Die Weltgemeinschaft hat sich auf 17 neue Ziele für nachhaltige Entwicklung geeinigt SDGs (englisch: Sustainable Development Goals- – Ziele nachhaltiger Entwicklung), die auf die Transformation der Welt in Richtung Nachhaltigkeit ausgerichtet sind. Viele der SDGs sind für die Gestaltung der Urbanisierung relevant und eines dieser Ziele bezieht sich direkt auf Städte. Der Auftrag des SDG11 lautet: „Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen“. „Auch die Ziele des Übereinkommens von Paris vom Dezember 2015, die sich auf Klimaschutz, Anpassung und Resilienz gegenüber dem Klimawandel sowie die Konsistenz von Finanzflüssen mit einer klimaverträglichen und klimaresilienten Entwicklung beziehen, werden ohne grundlegende Kursänderungen in den Städten nicht erreichbar sein.“ (Zitat WBGU: Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, Gutachten 2016)

Das Bebauungsplanverfahren belegt die Taktik der Stadt, sich mit Hilfe des Flüchtlingszustroms Grünflächen für den allgemeinen Wohnungsbau zu erschließen, noch deutlicher, als wir befürchtet haben.

In dem Verfahren wurden aufgrund des entsprechenden Drucks zwar zahlreiche Umweltgutachten erstellt, jedoch werden deren Ergebnisse weggewogen – mit den Argumenten der dringenden Flüchtlingsunterbringung und der notwendigen Integration. Die offensichtliche Tatsache, dass das Bauprojekt dafür längst zu spät kommt, wird mit keinem Wort erwähnt und für die Schaffung regulären Wohnraums ausgerechnet in der Feldmark ist offensichtlich auch dem Bezirk kein einziges Argument eingefallen. Eine solche Planung ist eine Farce.

Unter den umweltrelevanten Einzelaspekten ist die Behandlung der klimatischen Auswirkungen besonders kritisch zu sehen. Das klimatologische Gutachten, das in Auftrag gegeben wurde, um die von der Stadt selber erst 2012 eingeholte gesamtstädtische Beurteilung zu entkräften, die der Feldmark eine hohe bis sehr hohe klimaökologische Bedeutung zuschreibt, folgt einer rein lokalklimatischen Fragestellung. Diese kann zwar mit dem gewünschten Ergebnis beantwortet werden, trifft zu dem Beitrag der Feldmark für das Stadtklima insgesamt aber keine Aussage. An der wesentlichen Bedeutung der Feldmark wurde bewusst vorbeibegutachtet.

Die Einwendungen des Vereins wurden von der Kanzlei Klemm und Partner erarbeitet.