
Olympia vor der Haustür: Warum die Mountainbikestrecke Fragen aufwirft
Wir kennen diesen Ort. Viele von uns gehen hier seit Jahren spazieren, drehen ihre Runden um den Hummelsee, treffen sich auf dem Müllberg, lassen Kinder spielen oder suchen einfach ein Stück Ruhe. Die Hummelsbüttler Feldmark ist kein abstrakter Punkt auf einer Karte – sie ist Teil unseres Alltags.
Und genau hier soll nun eine olympische Mountainbikestrecke entstehen.
Lange war Olympia ein Thema, über das man diskutiert hat, auch bei uns im Verein. Mit Interesse, mit Skepsis, aber immer mit einer gewissen Distanz. Diese Distanz ist verschwunden. Denn mit der geplanten Strecke rückt das Projekt direkt in unseren Lebensraum.
Was zunächst harmlos klang – ein paar Radstrecken auf dem Müllberg – entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als deutlich größerer Eingriff. Geplant ist ein mehrere Kilometer langer Rundkurs mit anspruchsvollem Geländeprofil, flankiert von Tribünen für Tausende Zuschauer, zusätzlicher Infrastruktur, mehr Verkehr und technischer Ausstattung wie Beschallung oder vielleicht sogar Flutlicht.
Das ist kein behutsamer Ausbau. Das ist ein Veranstaltungsort.
Gleichzeitig wird versprochen, alles solle naturverträglich sein und der Erholungswert erhalten bleiben. Doch wer regelmäßig hier unterwegs ist, weiß: Dieses Gebiet ist längst stark genutzt. Müll, überfüllte Wege, Partynächte auf dem Müllberg – all das zeigt, wie sensibel dieses Gleichgewicht bereits ist.
Und dann sind da noch die, die keine Stimme haben.
Zwischen Feldmark, See und Gehölzen verlaufen Wildpfade, die über Jahre entstanden sind. Sie verbinden Lebensräume, ermöglichen Rückzug und Bewegung für Tiere. Genau diese Verbindungen werden durch die geplanten Eingriffe gefährdet: Bäume sollen gefällt, Flächen umgestaltet, Bereiche eingezäunt werden.
Für Wildtiere bedeutet das nicht nur Veränderung – sondern Verlust.
Die zentrale Frage lautet daher nicht nur, was gebaut wird – sondern wo und mit welchen langfristigen Folgen.
Die genaue Streckenführung ist bislang nicht bekannt. Wird sie Teile der Feldmark einschließen? Was passiert mit den Flächen, die heute von vielen Menschen zur Erholung genutzt werden? Und wie realistisch ist es, dass ein Ort mit Stadioncharakter, regelmäßigen Veranstaltungen und internationaler Aufmerksamkeit dauerhaft ein ruhiger Rückzugsort bleibt?
Die zentrale Frage bleibt daher: Wie viel verträgt dieser Ort noch – und zu welchem Preis für Natur, Erholung und Lebensqualität im Stadtteil? Wir sind dagegen, dass ein ohnehin belastetes Natur- und Erholungsgebiet weiter unter Druck gerät.
Olympia kann eine Chance sein. Doch sie sollte nicht dort umgesetzt werden, wo die Belastungsgrenzen längst erreicht sind.








